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Ökologischer Innenausbau › Alternative zur Lehmplatte

Stroh- & Holzfaserplatten — Trockenbau ohne Gips

Nicht jeder Innenausbau muss aus Lehm sein. Strohbauplatten und Holzfaserplatten lösen dieselbe Aufgabe mit anderen Eigenschaften: leichter als Lehm, teils selbsttragend ohne Unterkonstruktion — und beide vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen.

Strohbauplatten — gepresst ohne Bindemittel

Das Verfahren ist bemerkenswert einfach: Getreidestroh wird im Strangpressverfahren unter Hitze und Druck verdichtet. Die Halme verbinden sich durch das stroheigene Lignin — es kommen weder Leim noch andere Bindemittel hinzu. Anschließend durchläuft die Platte eine Hitzebehandlung bei rund 200 °C, die Keime und Sporen abtötet, und wird allseitig mit hydrophobiertem Recyclingkarton ummantelt.

Das Prinzip ist nicht neu: Es geht auf ein 1933 in Schweden entwickeltes Verfahren zurück, das nach dem Krieg in Großbritannien für tausende Wohnhäuser eingesetzt wurde. Die Anlage im australischen Bendigo produziert bis heute ununterbrochen.

EigenschaftWert
Stärkenca. 38 mm und 58 mm
Format80 cm breit, Länge zentimetergenau von 1,20 bis 3,20 m
Flächengewichtca. 18,5 kg/m² (38 mm), ca. 22 kg/m² (58 mm)
Wärmeleitfähigkeit0,099 W/(mK)
Schalldämmung28–33 dB als Einzelplatte, ca. 45 dB bei doppelt stehender Wand
Brandverhaltenbrandbeständig, F30 erreichbar
Konsollastbis 80 kg pro Schraube
Rückbauzu 100 % rezyklierbar
Der praktische Unterschied: Weil die Platte bis zu 80 kg Konsollast je Schraube aufnimmt, braucht sie keine Unterkonstruktion. Beim Küchenausbau entfällt damit die sonst nötige Planung von Traversen für Hängeschränke — geschraubt wird direkt in die Platte.

Selbsttragende Wand ohne Ständerwerk

Kombiniert man eine 58-mm- mit einer 38-mm-Platte, entsteht eine rund 96 mm dicke selbsttragende Trockenbauwand, die lediglich über Metallprofile mit Boden und Decke verschraubt wird. Werkseitig vorgefräste Installationskanäle nehmen Leitungen auf; nachträgliches Fräsen ist ebenfalls möglich, was Umbauten erleichtert.

Zugeschnitten wird auf Maß: Ab sechs Platten gleicher Länge ist der Zuschnitt im Zentimeterraster kostenlos. Sägen lässt sich die Platte wie eine Spanplatte, mit Handkreissäge und grobem Blatt; Rundungen gehen mit der Stichsäge.

Holzfaserplatten im Innenausbau

Holzfaserplatten werden im Nass- oder Trockenverfahren aus Nadelholzfasern hergestellt — bei den meisten Produkten ohne synthetische Bindemittel, weil das holzeigene Lignin die Fasern verbindet. Innen erfüllen sie zwei Aufgaben gleichzeitig: dämmen und einen putzfähigen Untergrund schaffen.

KennwertTypischer Bereich
Wärmeleitfähigkeit λ0,039–0,050 W/(mK)
Rohdichteca. 50–300 kg/m³ je nach Typ
Wärmespeicherkapazitätca. 2.100 J/(kg·K)
Diffusionswiderstand μca. 5 — sehr diffusionsoffen
BrandverhaltenKlasse E nach DIN EN 13501-1
Lebensdauer30–50 Jahre, teils darüber
Preisniveauca. 10–15 €/m² bei 20 mm, 25–30 €/m² bei 60 mm

Sommerlicher Hitzeschutz — die eigentliche Stärke

Bei der Wärmeleitfähigkeit liegen Holzfaserplatten nicht besser als Mineralwolle. Ihr Vorteil liegt in der Kombination aus hoher Rohdichte und hoher Wärmespeicherkapazität: Die Wärmewelle wird gedämpft und zeitlich verschoben, statt durchgelassen zu werden. Bei gleicher Wärmeleitfähigkeit verdoppelt eine höhere Rohdichte die Amplitudendämpfung und verbessert die Phasenverschiebung auf etwa zwölf Stunden — die Hitze kommt dann an, wenn es draußen schon abkühlt.

Innendämmung im Bestand

Der häufigste Anwendungsfall innen: Außenwände raumseitig dämmen, wenn außen nicht gedämmt werden darf oder kann — Denkmalschutz, Sichtfachwerk, Grenzbebauung. Die Platten werden in ein Mörtelbett aus Lehmausgleichsputz gedrückt und zusätzlich mit Dämmstoffhaltern gesichert, darauf folgen Lehmunterputz mit eingebettetem Armierungsgewebe und Feinputz. Ein durchgehend diffusionsoffener Aufbau also, der Feuchte zur Raumluft hin abtrocknen lässt.

Innendämmung braucht Planung, nicht Bauchgefühl: Sie verändert den Feuchtehaushalt der Wand — die Konstruktion wird außen kälter, Tauwasser kann anfallen. Kritisch sind vor allem Balkenköpfe von Holzbalkendecken, die in der Außenwand liegen und nach der Dämmung nicht mehr von innen erwärmt werden. Zahlreiche Altbauten weisen dort bereits Feuchteschäden auf. Auch der Untergrund entscheidet: Bei wenig diffusionsoffenem Mauerwerk wie manchem Sandstein kann ein stark saugender Aufbau das Problem verschärfen. Vor der Ausführung gehört deshalb eine bauphysikalische Berechnung des konkreten Wandaufbaus dazu — das WTA-Merkblatt 6-4 ist dabei die einschlägige Planungsgrundlage.

Putzträger und Beplankung

Anders als Lehm- und Strohbauplatten sind Holzfaserplatten keine selbsttragenden Trennwandelemente. Sie werden auf Ständerwerk oder direkt auf den Untergrund aufgebracht — geklebt, geschraubt, genagelt oder gedübelt. Es gibt sie mit stumpfer Kante oder mit Nut- und Federverbindung; Sandwichplatten mit Nut und Feder können bis zu 4 mm Untergrundbewegung je Meter ausgleichen. Zugeschnitten wird mit der Handkreissäge.

Die drei Plattentypen im Vergleich

LehmbauplatteStrohbauplatteGipskarton
Gewichtca. 32 kg/m² (22 mm)ca. 18,5–22 kg/m²ca. 9 kg/m²
Speichermassehochmittelgering
Unterkonstruktionerforderlichbei Doppelaufbau entbehrlicherforderlich
Lastaufnahmeüber Unterkonstruktionbis 80 kg je Schraube direktDübel oder Traverse nötig
Feuchteregulierungsehr gutgutbegrenzt
Bindemittelkeines, nur Lehmkeines, stroheigenes LigninGips, Karton

Welche Platte wofür

Lehmbauplatte, wenn Speichermasse und Feuchteregulierung im Vordergrund stehen — Schlafzimmer, Wohnräume, sommerlicher Hitzeschutz.

Strohbauplatte, wenn Lasten direkt an die Wand sollen oder auf Ständerwerk verzichtet werden soll — Küche, Bad-Vorwand, schnelle Trennwände im Bestand.

Holzfaserplatte, wenn gedämmt und gleichzeitig ein Putzträger geschaffen werden soll — Innendämmung, Dachschrägen.

Häufige Fragen

Wie gut dämmen Holzfaserplatten?

Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei 0,039 bis 0,050 W/(mK) — vergleichbar mit anderen Dämmstoffen. Der eigentliche Vorteil ist der sommerliche Hitzeschutz: Durch hohe Rohdichte und Wärmespeicherkapazität wird die Wärmewelle gedämpft und um etwa zwölf Stunden verschoben.

Kann ich Außenwände von innen mit Holzfaser dämmen?

Grundsätzlich ja, und bei Denkmalschutz oder Sichtfachwerk ist es oft der einzige Weg. Innendämmung verändert aber den Feuchtehaushalt der Wand. Besonders Balkenköpfe von Holzbalkendecken sind gefährdet, weil sie nach der Dämmung kälter werden. Eine bauphysikalische Berechnung des konkreten Aufbaus nach WTA-Merkblatt 6-4 ist Pflicht, keine Option.

Enthalten Holzfaserplatten Klebstoff?

Bei den meisten Produkten nicht — die Fasern verbinden sich über das holzeigene Lignin. Es gibt allerdings auch Platten mit Zusätzen; im Zweifel gibt das Datenblatt Auskunft.

Was kosten Holzfaserplatten?

Als Anhaltspunkt: rund 10 bis 15 € je m² bei 20 mm Stärke und 25 bis 30 € je m² bei 60 mm. Für Verarbeitung, Befestigungsmittel und Transport kommen grob 15 bis 20 € je m² hinzu.

Enthalten Strohbauplatten Klebstoff?

Nein. Die Halme verbinden sich beim Pressen unter Hitze und Druck durch das im Stroh enthaltene Lignin. Zusätzliche Bindemittel oder Leime kommen nicht zum Einsatz. Lediglich der äußere Recyclingkarton ist verklebt.

Kann ich schwere Hängeschränke direkt anschrauben?

Ja, das ist die große Stärke dieser Platte: Sie nimmt bis zu 80 kg Konsollast pro Schraube auf. Eine Unterkonstruktion für Küchenoberschränke wird damit in der Regel überflüssig.

Wie brennbar ist eine Strohplatte?

Anders als man vermutet, ist sie brandbeständig — die hohe Verdichtung lässt kaum Sauerstoff an die Halme. Aufbauten mit F30 sind erreichbar. Loses Stroh und eine gepresste Platte verhalten sich im Brandfall völlig unterschiedlich.

Kann man Strohbauplatten verputzen?

Ja. Der hydrophobierte Recyclingkarton erlaubt alle gängigen Endbeschichtungen und eignet sich ausdrücklich auch für Lehm- und Kalkputze. Damit lässt sich die Platte problemlos mit dem übrigen Lehmaufbau kombinieren.

Wie werden die Platten zugeschnitten?

Ab sechs Platten gleicher Länge erfolgt der Zuschnitt werkseitig im Zentimeterraster zwischen 1,20 und 3,20 m — Sie geben Ihr Einbaumaß an. Vor Ort lässt sich die Platte wie eine Spanplatte mit Handkreissäge und grobem Blatt bearbeiten.

Stroh oder Lehm — was ist besser?

Beides löst unterschiedliche Aufgaben. Lehm bringt mehr Speichermasse und die bessere Feuchteregulierung, Stroh punktet mit Lastaufnahme ohne Unterkonstruktion und geringerem Gewicht. In der Praxis lassen sich beide kombinieren — etwa Strohplatte als Träger, Lehmputz als Oberfläche.

Das Sortiment befindet sich im Aufbau. Materialübersicht und Aufbauhinweise stehen bereits, Produktlistungen folgen. Für konkrete Projektfragen erreichen Sie uns über die Beratungsanfrage.

Quellen: Herstellerangaben Ekopanely/iStraw, Produktdatenblätter, BauNetz Wissen (Gesund Bauen), Swiss-Architects Produktrezension. Kennwerte je nach Ausführung und Aufbau; maßgeblich sind die Datenblätter des Herstellers.

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