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Ökologischer Innenausbau › Schicht 2

Lehmputze — von grob bis fein

Lehmputz ist die Schicht, die das Raumklima macht: Er nimmt Feuchtigkeit auf, wenn zu viel davon in der Luft ist, und gibt sie zurück, wenn es zu trocken wird. Je nach Lage im Aufbau kommen unterschiedliche Körnungen zum Einsatz — und der Preisunterschied zwischen ihnen ist erheblich.

Die vier Putzarten im Aufbau

PutzartLage im AufbauSchichtdickePreisniveau
UnterputzDirekt auf dem Untergrund, gleicht aus10–20 mmca. 0,60 €/kg
OberputzAuf dem Unterputz, bildet die Fläche3–5 mmca. 0,65 €/kg
FeinputzGlatte, feine Oberfläche1–3 mmca. 0,90 €/kg
Edelputz farbigGestaltende Deckschicht1–2 mmca. 2,70 €/kg
Verbrauch richtig rechnen: Als Faustwert gehen etwa 1,6 kg Trockenmaterial je Quadratmeter und Millimeter Schichtdicke. Ein 15 mm dicker Unterputz braucht also rund 24 kg/m² — ein 25-kg-Sack reicht knapp für einen Quadratmeter. Bei größeren Flächen ist der BigBag deutlich günstiger.

Trocken oder erdfeucht

Lehmputze gibt es als trockene Werkmischung im Sack oder BigBag und als erdfeuchte Ware. Trockenware ist lagerfähig, muss aber angerührt werden; erdfeuchte Ware ist sofort verarbeitbar und im Kilopreis deutlich günstiger — rund 0,21 €/kg gegenüber 0,47 €/kg bei derselben Mischung.

Der Haken: Erdfeuchte Ware kommt im BigBag zu 600 kg oder mehr und ist nur begrenzt lagerfähig. Sie lohnt sich, wenn größere Flächen am Stück verputzt werden und die Baustelle den Anlieferpunkt hergibt.

Wo Lehmputz hingehört — und wo nicht

Lehmputz eignet sich für alle Wohnräume, besonders für Schlaf- und Aufenthaltsräume, wo die Feuchteregulierung am meisten bringt. Als Untergrund funktionieren Mauerwerk, Lehmbauplatten, Holzwerkstoffe mit Putzträger und die meisten mineralischen Altputze.

Nicht geeignet ist er im direkten Spritzwasserbereich — Duschnischen und Wannenumrandungen brauchen Fliesen oder Kalkputz. Auch außen ist Lehm nur unter schützendem Dachüberstand oder hinter einer Kalk-Opferschicht sinnvoll, weil er wasserlöslich bleibt.

Reinigen und ausbessern

Lehm ist wasserlöslich — das klingt nach einem Nachteil bei der Reinigung, ist im Alltag aber genau umgekehrt. Man wäscht Lehmwände nicht ab wie Dispersionsfarbe, man arbeitet sie nach. Und das geht deutlich einfacher.

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Trocken beginnen

Staub kommt mit Staubsauger und Bürstenaufsatz oder einem weichen Besen ab — ganz ohne Wasser. Weil Lehmoberflächen antistatisch sind, ziehen sie ohnehin weniger Schmutz an als andere Beläge.

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Flecken großflächig, nicht punktuell

Hartnäckige Stellen vorsichtig mit einem feuchten Tuch behandeln — nur Wasser, kein aggressiver Reiniger, wenig Druck. Wichtig: großflächig arbeiten statt auf einem Punkt zu reiben, sonst entsteht ein sichtbarer Rand.

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Ausbessern statt überstreichen

Risse, Löcher und Macken lassen sich mit demselben Lehmputz oder mit Lehmfarbe reparieren. Das frische Material löst den alten Rand an und verbindet sich damit — anders als bei Dispersionsfarbe, wo jeder Ansatz sichtbar bleibt und meist die ganze Wand neu gestrichen werden muss.

Durchgefärbt ist unempfindlicher: Bei hellen oder farbigen Edelputzen geht die Farbe durch die gesamte Schicht. Eine Macke zeigt darunter kein andersfarbiges Material, sondern denselben Ton — das macht solche Flächen im Alltag deutlich gutmütiger als braunen Unterputz unter weißem Anstrich.

Boden wischen — die Sockelzone im Blick

Der häufigste Kontakt zwischen Wasser und Lehmwand ist nicht die Kinderhand, sondern der Wischmopp. Deshalb gehört zu einer Lehmputzwand eine Sockelleiste — sie deckt genau die Zone ab, in der Wischwasser hochspritzt und der Mopp anstößt. Bei Neuplanung darf sie ruhig etwas höher ausfallen als üblich.

Beim Wischen selbst genügt Umsicht: Mopp gut auswringen statt tropfnass arbeiten, in den Ecken nicht mit Schwung gegen die Wand fahren. Dampfreiniger gehören nicht in Wandnähe — punktuell eingebrachter Dampf durchfeuchtet den Putz und hinterlässt mit der Zeit eine Delle.

Ist doch etwas hochgespritzt: erst trocknen lassen, dann trocken abbürsten. Sofort feucht darüberzuwischen ist der klassische Fehler, weil dabei angelöster Lehm verrieben statt abgenommen wird.

Wo Lehmputz dagegen nicht hingehört: Duschnische, Wannenumrandung und die Küchenwand direkt hinter dem Herd. Dort ist die Belastung dauerhaft und punktuell — das ist der Einsatzbereich von Fliesen oder Kalkputz.

Kinderzimmer, Schlafzimmer, Geruch

Lehmputz spielt seine Stärken genau dort aus, wo Menschen lange und ruhig sind. Für Schlaf- und Kinderzimmer sprechen drei Eigenschaften: die Feuchteregulierung, die Fähigkeit Schadstoffe und Feinstäube aus der Raumluft zu binden, und die fehlende elektrostatische Aufladung — Lehmoberflächen ziehen weniger Staub an als andere Beläge.

Riecht Lehmputz?

Nach dem Trocknen nach nichts. Lehm enthält keine Lösemittel, Konservierer oder Kunstharze — es gibt schlicht nichts, was ausgasen könnte. Während der Verarbeitung und der Trocknungsphase riecht es erdig nach feuchtem Ton; das verschwindet mit der Restfeuchte.

Bemerkenswerter ist die Gegenrichtung: Die Tonminerale binden Geruchsmoleküle aktiv. Sinkt die Konzentration im Raum wieder, geben sie die Moleküle langsam ab. Die Wand wirkt dadurch als Puffer — Koch- und Rauchgerüche setzen sich weniger fest.

Ehrlich beim Kinderzimmer: Der Putz ist gut geeignet, die Lehmfarbe darüber nur bedingt. Sie reibt sich bei Berührung deutlich stärker ab als Dispersionsfarbe. Bewährte Lösung: die Sockelzone bis Kinderhöhe mit einer abriebfesteren, abwaschbaren Farbe ausführen und erst darüber Lehmfarbe einsetzen. Die Raumklimawirkung bleibt erhalten, die Beanspruchungszone ist abgedeckt.

Sandet Lehmputz? Färbt er ab?

Das ist die häufigste Sorge vor dem Lehmputz — und die Antwort trennt sauber zwischen Material und Handwerk: Ein fachgerecht ausgeführter Lehmputz sandet nicht. Man kann sich dagegen lehnen, ohne dass die Kleidung leidet.

Der Hersteller Conluto beantwortet die Frage direkt: Lehmputze können sanden — nämlich dann, wenn sie zu früh abgerieben oder nicht ausreichend verdichtet wurden. Der richtige Zeitpunkt zum Abreiben ist erreicht, wenn die Oberfläche lederhart ist. Sandende Wände sind also ein Verarbeitungsfehler, keine Eigenschaft des Baustoffs.

Was direkt nach dem Verputzen normal ist

Beim Filzen werden Sandkörner an die Oberfläche geholt. Diese lose Schicht wird nach dem Abtrocknen abgekehrt — ein einmaliger Arbeitsgang, kein Dauerzustand.

Wenn eine Wand doch sandet

Zuerst trocken abreiben: mit Handschuh alles Lose abnehmen, bis nichts mehr rieselt. Die Oberfläche wird dabei etwas glatter. Nicht anfeuchten — Wasser löst weiteren Sand und verschlimmert das Problem.

Bleibt es dabei, ist eine Kaseingrundierung das stärkere Mittel. Sie muss vollständig einziehen, sonst bleiben glänzende Stellen zurück; zudem vertieft sie den Farbton leicht. Vor der Fläche unbedingt ein Probefeld anlegen.

Beim Anstrich ist es anders: Lehmfarbe wird von den Herstellern nicht als wischfest ausgewiesen und kreidet bei Reibung eher als der Putz darunter. Wer eine Wand zum Anlehnen braucht — Sofarückwand, Bettkopfende, Flur — fährt mit einem gefilzten farbigen Edelputz besser als mit Lehmfarbe auf Unterputz.

Häufige Fragen zu Lehmputz

Sandet Lehmputz, wenn man sich anlehnt?

Bei fachgerechter Ausführung nicht. Sanden entsteht, wenn der Putz zu früh abgerieben oder nicht ausreichend verdichtet wurde — abgerieben wird, sobald die Oberfläche lederhart ist. Direkt nach dem Filzen ist loser Sand normal und wird einmalig abgekehrt. Sandet eine Wand dauerhaft, hilft trockenes Abreiben, im hartnäckigen Fall eine Kaseingrundierung mit vorherigem Probefeld.

Was ist beim Bodenwischen an einer Lehmputzwand zu beachten?

Eine Sockelleiste schützt die Spritzwasserzone — sie ist bei Lehmputz kein Deko-Element, sondern Funktionsteil. Mopp gut auswringen, in Ecken nicht gegen die Wand schwenken, keinen Dampfreiniger in Wandnähe einsetzen. Spritzer erst trocknen lassen und dann trocken abbürsten, nicht feucht verreiben.

Ist Lehmputz für das Kinderzimmer geeignet?

Ja. Feuchteregulierung, Bindung von Schadstoffen und Feinstäuben und die fehlende elektrostatische Aufladung machen ihn gerade für Kinder- und Schlafzimmer interessant. Einschränkung: Eine Lehmfarbe als Anstrich ist in Griffhöhe empfindlich — dort ist eine abriebfestere Farbe im Sockelbereich die praktikablere Lösung.

Wie riecht Lehmputz?

Nach dem Trocknen geruchsneutral, weil weder Lösemittel noch Konservierer enthalten sind. Während der Trocknung riecht es erdig nach feuchtem Ton. Umgekehrt bindet Lehm Geruchsmoleküle aus der Raumluft und gibt sie später langsam wieder ab — die Wand puffert Gerüche.

Wie reinige ich eine Lehmputzwand?

Zuerst trocken mit Staubsauger oder weichem Besen. Flecken vorsichtig mit einem feuchten Tuch und klarem Wasser abnehmen, dabei großflächig arbeiten statt punktuell zu reiben. Keine aggressiven Reiniger, wenig Druck. Bleibt etwas zurück, ist Ausbessern mit Lehmputz einfacher als jedes Schrubben.

Wie viel Lehmputz brauche ich pro Quadratmeter?

Rechnen Sie mit etwa 1,6 kg je Quadratmeter und Millimeter Schichtdicke. Für 10 mm Unterputz auf 20 m² sind das rund 320 kg — also besser BigBag als Sackware.

Was ist der Unterschied zwischen Oberputz und Edelputz?

Der Oberputz bildet die Fläche und ist erdfarben. Der Edelputz ist die farbige, feine Deckschicht mit gestalterischer Wirkung — durchgefärbt und in dünnerer Schicht aufgetragen, dafür etwa viermal so teuer je Kilo.

Kann ich Lehmputz selbst auftragen?

Ja, Lehmputz ist geduldig — er lässt sich anlösen und korrigieren, solange er nicht durchgetrocknet ist. Das macht ihn deutlich einsteigerfreundlicher als Gips oder Kalkzementputz, wo Fehler nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Wie lange dauert die Trocknung?

Je nach Schichtdicke, Raumtemperatur und Lüftung einige Tage pro Lage. Lehm trocknet rein physikalisch und bindet nicht ab — kräftiges Lüften verkürzt die Zeit deutlich, Frost muss vermieden werden.

Braucht Lehmputz einen Putzträger?

Auf Mauerwerk und Lehmplatten nicht. Auf Holz, Holzwerkstoffen oder Dämmung schon — dort kommt Schilfrohrgewebe oder ein Armierungsgewebe zum Einsatz, damit der Putz Halt findet.

Nach welcher Norm werden Lehmputze geliefert?

Nach DIN 18947 für Lehmputzmörtel. Sie regelt Anforderungen, Prüfung und Kennzeichnung — inklusive Angaben zu Druckfestigkeit und Abriebfestigkeit.

Quellen: DIN 18947 (Lehmputzmörtel), Herstellerangaben und Verbrauchswerte Conluto, Claytec, Rapidolehm. Preise: erhobene Endkundenpreise im Naturbaustoff-Fachhandel, Stand Juli 2026, inkl. MwSt.

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