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Ökologischer Innenausbau › Schicht 3

Lehmfarben & Naturfarben — Farbe ohne Chemie

Wandfarben bestehen üblicherweise aus Kunststoffdispersion mit Konservierungsmitteln. Naturfarben ersetzen beides: Lehm, Kalk, Pflanzenöle und Naturharze als Bindemittel, Erdpigmente als Farbe. Das Ergebnis ist diffusionsoffen, geruchsarm und vollständig deklariert.

Lehmfarben in Erdtönen mit Pinsel und Farbfächer auf Werkbank

Die drei Farbsysteme

Lehmfarbe

Bindemittel ist der Tonanteil selbst. Matte, samtige Oberfläche mit spürbarer Tiefe, gute Feuchteaufnahme. Ideal auf Lehmputz und Lehmbauplatten — das System bleibt sortenrein.

Kalkfarbe

Hoher pH-Wert, dadurch von Natur aus schimmelhemmend. Klassisch für Keller, Vorratsräume und Altbau. Verlangt etwas Erfahrung beim Auftrag.

Leinölfarbe & Öle

Auf Basis von Leinöl und Naturharzen. Für Holz, Möbel, Türen und Arbeitsplatten — Hartöl, Hartwachsöl, Lasuren und deckende Lacke.

Naturdispersion

Wandfarbe auf pflanzlicher Basis ohne Kunstharz. Die pragmatische Wahl, wenn eine gut deckende, abwaschbare Fläche gefragt ist.

Was Naturfarben nicht enthalten: keine Filmkonservierer, keine Weichmacher, kein Mikroplastik. Hersteller aus dem Naturbaustoff-Verband deklarieren zudem sämtliche Inhaltsstoffe vollständig — bei konventionellen Wandfarben ist das nicht üblich, dort genügt eine Rahmenrezeptur.

Preisniveau und Verbrauch

Lehmfarben liegen im Fachhandel bei etwa 9 € je Kilogramm — deutlich über konventioneller Dispersionsfarbe. Der Verbrauch relativiert das teilweise: Für zwei Anstriche auf einem Quadratmeter rechnen Sie mit rund 0,3 kg, das sind knapp 3 € je Quadratmeter und Anstrichgang.

Anders als bei Putz spielt Gewicht hier kaum eine Rolle — Farben kommen im Paket, nicht auf der Palette. Für kleinere Renovierungen sind Naturfarben deshalb der einfachste Einstieg in ökologische Innenraumgestaltung.

Untergrund vorbereiten

Lehm- und Kalkfarben brauchen einen saugfähigen, mineralischen Untergrund. Auf altem Dispersionsanstrich haften sie schlecht — hier ist entweder eine Grundierung nötig oder der Altanstrich muss runter. Auf frischem Lehmputz, Kalkputz oder Lehmbauplatten funktionieren sie ohne Vorbehandlung.

Wo Lehmfarbe an ihre Grenzen kommt

Lehmfarbe bildet keinen Kunststofffilm — das ist der Grund für ihre Diffusionsoffenheit und zugleich ihre Schwäche. Sie reibt bei Berührung stärker ab als handelsübliche Dispersionsfarbe. Für Flächen mit viel Kontakt gilt das besonders: Kinderzimmer, Flur, Treppenhaus.

Die übliche Lösung im Naturbau ist nicht, auf Lehmfarbe zu verzichten, sondern die Wand zu teilen: Sockelzone bis etwa Griffhöhe mit einer abriebfesteren, abwaschbaren Farbe, darüber Lehmfarbe. So bleibt der größere Flächenanteil diffusionsoffen und feuchteregulierend, während die Zone mit dem meisten Kontakt robust ausgeführt ist.

Für Kinderzimmer relevant: Viele Naturfarben sind lösemittelfrei, geruchsarm und nach der Spielzeugnorm für den Einsatz in Kinderzimmern geeignet. Diese Angabe steht im Produktdatenblatt — ein Blick darauf lohnt vor dem Kauf.

Häufige Fragen zu Naturfarben

Färbt Lehmfarbe ab, wenn man sich an die Wand lehnt?

Lehmfarbe ist herstellerseitig nicht als wischfest ausgewiesen und kreidet bei Reibung stärker als eine Putzoberfläche. Für Flächen zum Anlehnen — Sofarückwand, Bettkopfende, Flur — ist ein gefilzter farbiger Lehm-Edelputz die robustere Wahl, oder die Sockelzone wird mit einer abriebfesteren Farbe ausgeführt.

Ist Lehmfarbe für das Kinderzimmer geeignet?

Mit Einschränkung. Gesundheitlich spricht nichts dagegen — viele Naturfarben erfüllen sogar die Spielzeugnorm. Mechanisch ist Lehmfarbe aber empfindlicher als Dispersionsfarbe und reibt bei Berührung ab. Bewährt hat sich, die Sockelzone bis Griffhöhe mit einer abriebfesteren Farbe zu streichen und darüber Lehmfarbe einzusetzen.

Wie reinige ich eine mit Lehmfarbe gestrichene Wand?

Trocken absaugen oder abkehren, Flecken nur vorsichtig feucht antupfen und dabei großflächig arbeiten. Weil Lehmfarbe wasserlöslich bleibt, ist Nachbessern der bessere Weg: Ein Anstrich auf der betroffenen Fläche verbindet sich mit dem Altanstrich, ohne dass ein Ansatz sichtbar bleibt.

Deckt Lehmfarbe genauso gut wie Dispersionsfarbe?

In der Regel brauchen Sie zwei Anstriche, bei starken Farbwechseln drei. Die Oberfläche wirkt matter und lebendiger als bei Dispersion — das ist gewollt, weil kein Kunststofffilm entsteht.

Ist Lehmfarbe abwaschbar?

Nur bedingt. Lehmfarbe bleibt wasserlöslich, das ist die Kehrseite ihrer Diffusionsoffenheit. Für stark beanspruchte Flächen wie Flure oder Kinderzimmerwände ist eine Naturdispersion die robustere Wahl.

Kann ich Lehmfarbe auf alte Dispersionsfarbe streichen?

Nicht direkt. Der alte Kunststofffilm nimmt kein Wasser auf, die Lehmfarbe findet keinen Halt. Entweder Sie tragen den Altanstrich ab oder Sie setzen eine geeignete mineralische Grundierung ein.

Warum sind Naturfarben teurer?

Weil die Rohstoffe teurer sind — Erdpigmente, Naturharze und Pflanzenöle statt Kunstharzdispersion. Beim Materialpreis je Quadratmeter fällt der Unterschied allerdings kleiner aus als beim Preis je Gebinde.

Sind Naturfarben für Allergiker geeignet?

Sie sind geruchsarm und frei von Konservierungsmitteln, was vielen Menschen entgegenkommt. Da einzelne Naturstoffe wie Terpene selbst allergen wirken können, ist eine pauschale Aussage aber nicht seriös — im Zweifel Inhaltsstoffliste prüfen.

Quellen: Herstellerangaben Conluto, Leinos, Volvox; Deklarationsrichtlinien des internationalen Verbands der Naturbaustoffhersteller. Preise: erhobene Endkundenpreise im Fachhandel, Stand Juli 2026, inkl. MwSt.

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