Lehmbauplatten — Trockenbau mit Masse
Verarbeitet wie Gipskarton, aber mit dem Dreifachen an Gewicht: Lehmbauplatten bringen Speichermasse in Leichtbauwände. Das verbessert Schallschutz und sommerlichen Hitzeschutz — und macht die Wand am Ende vollständig rückbaubar.

Stärken und Einsatzbereiche
| Stärke | Gewicht | Typischer Einsatz | Unterkonstruktion |
|---|---|---|---|
| 12,5 mm | ca. 15 kg/m² | Trockenputzplatte auf massive Innenwände | Vollflächig angesetzt |
| 16 mm | ca. 23 kg/m² | Decken, Dachschrägen, leichte Vorsatzschalen | Achsmaß 31,25 cm |
| 22 mm | ca. 32 kg/m² | Trennwände, Vorsatzschalen — der Standard | Achsmaß 62,5 cm bei Wänden |
| 25 mm | ca. 30 kg/m² | Erhöhte Anforderungen an Schall- und Brandschutz | Achsmaß 62,5 cm |
Leicht oder schwer — welche Platte wofür
Neben den klassischen schweren Lehmplatten aus Lehm, Holzfasern und Stärke gibt es Leichtlehmplatten mit Hanfschäben oder Stroh. Sie wiegen nur etwa 10 bis 14 kg/m² und lassen sich allein montieren, bringen dafür aber deutlich weniger Speichermasse mit.
Die Faustregel: Wo Schallschutz und Hitzeschutz das Ziel sind, führt an der schweren Platte kein Weg vorbei. Wo es um Trockenbau über Kopf geht oder um Sanierung mit begrenzter Statik, ist die leichte Variante die praktikablere Wahl.
Verarbeitung Schritt für Schritt
Unterkonstruktion
Holz- oder Metallständerwerk im vorgesehenen Achsmaß. Bei 22-mm-Platten reichen an Wänden 62,5 cm, an Decken und Dachschrägen muss auf 31,25 cm verdichtet werden.
Platten schrauben
Zuschnitt mit der Handkreissäge, Befestigung mit Lehmbauplatten-Schrauben oder Breitrückenklammern. Stöße versetzt anordnen — nie kreuzweise durchlaufend.
Fugen armieren
Alle Stöße mit Lehm-Klebe- und Armierungsmörtel und eingebettetem Gewebe überarbeiten. Ohne Armierung reißen die Fugen später durch.
Oberfläche
Vollflächige Armierung, dann Lehm-Oberputz oder Feinputz. Die Platte ist auch ein guter Untergrund für Lehmfarbe direkt auf der gespachtelten Fläche.
Was kostet der Quadratmeter
Endkundenpreise im Fachhandel liegen für die 22-mm-Platte bei etwa 35 bis 39 € pro m². Für eine beidseitig beplankte Trennwand rechnen Sie also mit rund 75 € Plattenkosten je Quadratmeter Wandfläche, dazu Armierungsgewebe und Mörtel.
Häufige Fragen zu Lehmbauplatten
Kann ich Lehmbauplatten wie Gipskarton verarbeiten?
Im Prinzip ja — Zuschnitt mit der Handkreissäge, Verschraubung auf Ständerwerk. Der Unterschied ist das Gewicht: rund 25 kg pro Platte bei 22 mm. Arbeiten Sie zu zweit und prüfen Sie die Tragfähigkeit der Unterkonstruktion.
Welche Stärke brauche ich für eine Trennwand?
22 mm ist der Standard für Wände, weil dabei ein Achsmaß von 62,5 cm möglich ist. 16 mm wird eher an Decken und Dachschrägen eingesetzt, verlangt dort aber die engere Unterkonstruktion von 31,25 cm.
Wie gut ist der Schallschutz?
Deutlich besser als bei leichten Ständerwänden. Geprüfte Aufbauten mit schweren Lehmplatten auf Metallunterkonstruktion erreichen Schalldämmwerte bis in den Bereich von 60 dB — die Masse macht den Unterschied.
Sind Lehmbauplatten brennbar?
Nein. Übliche Lehmbauplatten sind in Baustoffklasse A1 eingestuft, also nicht brennbar. Das macht sie auch für Konstruktionen mit Brandschutzanforderungen interessant.
Was passiert mit Verschnitt?
Er lässt sich mit Wasser wieder aufbereiten und als Lehmbaustoff erneut einsetzen. Lehm bindet nicht chemisch ab, sondern trocknet nur — deshalb bleibt er dauerhaft rückführbar.
Welche Norm gilt für Lehmplatten?
DIN 18948 regelt Lehmplatten, ergänzt um die Angabe der Materialhärteklasse. Achten Sie beim Kauf auf die Normkonformität — sie ist die Grundlage für Ausschreibungen und Gewährleistung.
Quellen: DIN 18948 (Lehmplatten), Herstellerangaben Conluto, Claytec, Rapidolehm, Leipfinger-Bader Lehm. Preise: erhobene Endkundenpreise im Naturbaustoff-Fachhandel, Stand Juli 2026, inkl. MwSt.

