Lehm & mineralische Putze — ohne Kunstharz
Diffusionsoffene Putze ohne Kunststoffanteile: Sie regulieren Feuchte, kommen ohne biozide Filmkonservierung aus und altern würdig. Der entscheidende Unterschied zu Kunstharzputzen liegt im Bindemittel — und der wirkt sich auf Algenbewuchs, Rückbaubarkeit und Reparierbarkeit aus.

Die drei mineralischen Putzsysteme
Kalkputz
Der klassische Außenputz. Alkalisch, dadurch von Natur aus resistent gegen Algen- und Pilzbewuchs. Hoch diffusionsoffen, feuchteregulierend, reparierbar.
Silikatputz
Mineralisch gebunden über Wasserglas, verkieselt mit dem Untergrund. Eigenschaften ähnlich Kalk, höhere Witterungsbeständigkeit, große Farbvielfalt.
Lehmputz
Der Feuchtepuffer. Außen nur an geschützten Flächen oder unter Kalk-Deckschicht. Vollständig rückbaubar und wiederverwendbar.
Warum Kalk keine Biozide braucht
Frisch aufgetragener Kalkputz hat einen pH-Wert um 12 — für Algen und Pilze ist das kein bewohnbarer Untergrund. Diesen Schutz bringt das Material selbst mit; er muss nicht zugesetzt werden.
Kunstharzgebundene Putze haben diesen Mechanismus nicht. Sie erreichen dieselbe Wirkung über biozide Filmkonservierungsmittel, die dem Putz beigemischt werden. Das Problem: Diese Wirkstoffe sind wasserlöslich und werden über die Jahre vom Regen ausgewaschen — sie gelangen ins Niederschlagswasser und damit in Boden und Gewässer. Genau deshalb ist der Einsatz von Bioziden in Fassadenbeschichtungen ein Umweltthema. Nebeneffekt für den Bauherrn: Ist der Wirkstoffvorrat erschöpft, beginnt der Bewuchs — typischerweise nach einigen Jahren.
Lehmputz an der Fassade: was geht, was nicht
Lehm ist wasserlöslich. Das ist zugleich seine größte Stärke und seine klare Grenze: Er lässt sich vollständig zurückbauen, wieder anrühren und erneut verarbeiten — der einzige gängige Putz, der buchstäblich im Kreislauf bleibt. Frei bewittert hält er dem Schlagregen aber nicht stand.
An der Fassade funktioniert Lehm deshalb nur in zwei Konstellationen: unter ausreichend großem Dachüberstand an geschützten Flächen, oder mit einer Kalk-Deckschicht als Opferschicht. Sein eigentliches Zuhause ist der Innenraum, wo seine Fähigkeit zur Feuchteaufnahme und -abgabe unerreicht ist.
Vergleich der Bindemittel
| Eigenschaft | Kalk / Silikat | Lehm | Kunstharz |
|---|---|---|---|
| Diffusionsoffenheit | Sehr hoch | Sehr hoch | Gering bis mittel |
| Algenschutz | Über pH-Wert, materialeigen | Nur geschützt einsetzbar | Über zugesetzte Biozide |
| Außenbewitterung | Voll bewitterbar | Nur geschützt | Voll bewitterbar |
| Rückbau | Mineralisch verwertbar | Vollständig wiederverwendbar | Verbundbaustoff, aufwändig |
| Reparatur | Ausbessern gut möglich | Sehr gut, mit Wasser anlösbar | Ansatzstellen bleiben sichtbar |
Häufige Fragen zu Putzen
Ist Kalkputz wirklich algenresistent?
Ja, durch seinen hohen pH-Wert — die alkalische Oberfläche entzieht Algen und Pilzen die Lebensgrundlage. Der Effekt lässt mit der Karbonatisierung über die Jahre nach; gut abtrocknende Flächen bleiben dennoch dauerhaft unauffällig.
Kann ich Lehmputz außen verwenden?
Nur an wettergeschützten Flächen unter ausreichendem Dachüberstand oder mit einer Kalk-Deckschicht als Opferschicht. Frei bewittert ist Lehm nicht regenfest.
Was ist der Unterschied zwischen Kalk- und Silikatputz?
Das Bindemittel: Kalkputz härtet durch Karbonatisierung mit CO₂ aus der Luft, Silikatputz verkieselt über Kaliwasserglas fest mit dem Untergrund. Silikat ist witterungsbeständiger und farblich vielfältiger, Kalk handwerklich traditioneller und leichter reparierbar.
Warum sind Biozide in Fassadenputzen ein Problem?
Sie sind wasserlöslich und werden vom Regen aus der Fassade ausgewaschen. Der Wirkstoff gelangt ins Niederschlagswasser und damit in Boden und Gewässer — und fehlt gleichzeitig irgendwann an der Fassade, wo der Bewuchs dann einsetzt.
Sind mineralische Putze teurer?
Im Material meist ähnlich, im Handwerk oft aufwändiger, weil Verarbeitung und Trocknungszeiten mehr Erfahrung verlangen. Über die Lebensdauer relativiert sich das durch bessere Reparierbarkeit und den entfallenden Bewuchs-Neuanstrich.
Quellen: Umweltbundesamt (Biozide in Fassadenbeschichtungen und Auswaschung), DIN EN 998-1 (Putzmörtel), Fachverband Lehm.

