Korkfassade — Dämmung und Oberfläche in einem Bauteil
Expandierter Kork (Backkork, ICB) wird ohne chemische Bindemittel hergestellt: Korkgranulat wird unter Wasserdampf erhitzt, dehnt sich aus und verklebt durch das eigene Harz zu festen Platten. Das Ergebnis ist ein Material, das gleichzeitig dämmt, Schlagregen abhält und als sichtbare Fassadenoberfläche funktionieren kann.
Was Backkork von anderen Dämmstoffen unterscheidet
Die meisten Dämmstoffe brauchen einen Wetterschutz: eine Putzschicht, eine Verkleidung, eine Bekleidung. Expandierter Kork kann beides sein. Die Platten sind offenporig genug, um diffusionsoffen zu bleiben, und gleichzeitig so wasserabweisend, dass sie frei bewittert eingesetzt werden können — mit der charakteristischen dunkelbraunen Oberfläche, die im Lauf der Jahre nachdunkelt und vergraut.
Damit lassen sich zwei Bauteilschichten zusammenlegen. Wo sonst Dämmung plus Putzsystem plus Anstrich stehen, steht eine Plattenlage — verklebt und gedübelt oder auf einer Unterkonstruktion mechanisch befestigt.
Einsatzbereiche an der Fassade
Sichtbare Korkfassade
Platten bleiben roh und unverputzt. Dunkelbraune, lebendige Oberfläche mit sehr guter Schlagregen- und Wärmeschutzwirkung.
Kork-WDVS
Verklebt und gedübelt, anschließend mineralisch armiert und verputzt. Die ökologische Alternative zum EPS-Wärmedämmverbundsystem.
Perimeter & Sockel
Expandierter Kork nimmt kaum Wasser auf und ist fäulnisbeständig — anwendbar bis in den erdberührten Sockelbereich.
Technische Einordnung
| Eigenschaft | Einordnung | Praxisbedeutung |
|---|---|---|
| Wärmeleitfähigkeit | etwa 0,040–0,045 W/(m·K) | Vergleichbar mit Holzfaser, etwas schwächer als EPS — entsprechend etwas mehr Dämmstärke einplanen |
| Diffusionsverhalten | diffusionsoffen | Passt zu Bestandsmauerwerk und kapillaraktiven Aufbauten, ohne Dampfsperre zu erzwingen |
| Feuchteverhalten | sehr geringe Wasseraufnahme, fäulnisbeständig | Kein Nährboden für Schimmel; sockelnah und erdberührt einsetzbar |
| Brandverhalten | je nach Produkt Euroklasse E, teils B mit Zusatzausrüstung | Bei mehrgeschossigen Bauten den bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis des jeweiligen Systems prüfen |
| Verarbeitung | schneidbar mit Handkreissäge oder Fuchsschwanz | Zuschnitt auf der Baustelle möglich; Staub ist unbedenklicher als bei mineralischen Fasern |
Wo Korkfassaden ihre Stärke ausspielen
Besonders sinnvoll ist Backkork dort, wo ein diffusionsoffener Aufbau gefragt ist und gleichzeitig eine robuste, wartungsarme Oberfläche gewünscht wird: bei der Sanierung von Bestandsmauerwerk, an Wetterseiten mit hoher Schlagregenbelastung und bei Gebäuden, deren Nachweisführung — etwa nach QNG — sortenreine und schadstofffreie Materialien belohnt.
Weniger geeignet ist Kork, wenn maximale Dämmleistung bei minimaler Aufbaudicke gefordert ist. Dann führt an Hochleistungsdämmstoffen kein Weg vorbei — mit den bekannten Nachteilen bei Kreislauffähigkeit und Rückbau.
Häufige Fragen
Verrottet Kork an der Außenwand?
Nein. Suberin und die geschlossene Zellstruktur machen Kork wasserabweisend und fäulnisbeständig. Historische Korkdämmungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind vielfach noch funktionsfähig.
Muss eine sichtbare Korkfassade gestrichen werden?
Nein. Die rohe Oberfläche ist die Endoberfläche. Sie dunkelt anfangs nach und vergraut anschließend ähnlich wie unbehandeltes Holz — ein optischer Vorgang ohne Einfluss auf die Funktion.
Ist Kork brennbar?
Kork ist ein organischer Dämmstoff und damit brennbar, verhält sich im Brandfall aber träge: er verkohlt an der Oberfläche und tropft nicht ab. Die konkrete Euroklasse und die zulässige Gebäudehöhe ergeben sich aus dem Verwendbarkeitsnachweis des jeweiligen Systems, nicht aus dem Material allein.
Wie ist die Ökobilanz gegenüber EPS?
Der Rohstoff wächst nach, ohne dass der Baum gefällt wird, und speichert dabei CO₂. Für Herstellung und Transport aus dem Mittelmeerraum fällt Energie an, die produktspezifisch in Umweltproduktdeklarationen ausgewiesen wird. Vergleiche daher immer über EPDs führen und nicht über pauschale Aussagen.
Quellen: DIN EN 13170 (Wärmedämmstoffe aus expandiertem Kork), DIN 4108 (Wärmeschutz im Hochbau), DIN EN 13501-1 (Brandverhalten von Bauprodukten), Institut Bauen und Umwelt (EPD-Programm).

