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Artenschutz am Bau

Dach & Bestandsgebäude

Quartiere für Eulen, Schwalben, Mauersegler und Fledermäuse an Dachboden, Schornstein, Traufe und in Sanierungsbereichen — auch für historische Bauten und Renovierungen geeignet.

Ziegeldach mit farblich angepasstem, integriertem Nist-Dachziegel

Vier Orte am Dach

OrtBewohnerLösung
DachflächeSpatzen, FledermäuseNist- und Fledermaus-Dachziegel: Sonderformziegel mit Öffnung, farblich passend im Ziegelfeld
TraufeMauersegler, SpatzenQuartiere im Traufkasten oder Einbaukästen in der obersten Fassadenzone
DachbodenSchleiereule, Turmfalke, FledermäuseEinflugluken mit Kasten, Ansitzbrett — Zugang gezielt offen halten statt komplett dichtmachen
First und OrtgangFledermäuseSpaltquartiere hinter Verkleidungen und im Firstbereich
Schnittskizze eines Satteldachs mit vier markierten Orten für Quartiere: First, Dachfläche, Traufe und Dachboden

Die vier Orte am Dach im Schnitt — First, Dachfläche, Traufe, Dachboden.

Nist-Dachziegel: unauffälligste Lösung am Dach

Ein Nist-Dachziegel ist ein Sonderformziegel, der wie ein Lüfterziegel im Verband liegt und eine Öffnung mit dahinterliegender Kammer besitzt. Weil er in Form und Farbe zum übrigen Dach gehört, fällt er praktisch nicht auf. Für Fledermäuse gibt es Varianten mit Spalteinflug statt Rundloch. Beim Kauf lohnt der Blick auf das Ziegelmodell — die Sonderform muss zum verlegten System passen.

Rechtlich der wichtigste Punkt: Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Arten sind nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt — auch dann, wenn sie im Winter leer stehen. Viele Arten kehren jahrelang zum selben Nistplatz zurück. Eine Sanierung außerhalb der Brutzeit ist deshalb richtig und wichtig, ersetzt aber nicht den Ersatz für verschlossene Quartiere. Bei Fund gehört die Untere Naturschutzbehörde vor Baubeginn eingeschaltet.

Ablauf bei der Dachsanierung

1

Vor der Ausschreibung prüfen

Am aussagekräftigsten ist eine Begehung während der Brutzeit, wenn die Tiere anwesend sind. Anzeichen: Kotspuren an Traufkanten, Nistmaterial in Spalten, regelmäßiger Anflug, bei Fledermäusen krümeliger Kot unter Einflugspalten.

2

Bauzeit legen

Arbeiten an der Dachhaut möglichst zwischen Oktober und Februar. Bei Fledermausquartieren ist auch der Winter kritisch, weil dort überwintert wird — hier führt der Weg über die Behörde.

3

Ersatz gleich mit ausschreiben

Nist-Dachziegel und Traufquartiere gehören in die Position des Dachdeckers, nicht in eine Nacharbeit. Das ist billiger und wird auch tatsächlich ausgeführt.

4

Neue Quartiere dokumentieren

Lage und Anzahl festhalten, am besten mit Foto. Das ist der Nachweis gegenüber der Behörde und hilft später bei Wartung und Eigentümerwechsel.

Häufige Fragen

Darf ich mein Dach im Winter ohne Weiteres sanieren?

Die Bauzeit außerhalb der Brutzeit ist der richtige Weg, entbindet aber nicht von der Ersatzpflicht: Niststätten bleiben auch unbesetzt geschützt, weil viele Arten jahrelang zurückkehren. Wer Quartiere verschließt, muss gleichwertigen Ersatz schaffen.

Passt ein Nist-Dachziegel auf jedes Dach?

Nein — es handelt sich um Sonderformziegel, die zum verlegten Ziegelmodell passen müssen. Bei der Bestellung Ziegeltyp und Farbe angeben. Bei Sanierungen älterer Dächer mit nicht mehr produzierten Modellen ist eine Traufkastenlösung oft der einfachere Weg.

Regnet es durch die Einflugöffnung ins Dach?

Nein. Die Quartiere haben eine eigene Kammer hinter der Öffnung, die vom Dachaufbau getrennt ist. Bei fachgerechtem Einbau ist die Unterdeckung unberührt.

Was ist mit Marder und Waschbär?

Ein berechtigter Punkt bei offenen Dachbodenzugängen. Eingebaute Quartiere mit artgerechten Öffnungsmaßen sind für größere Beutegreifer nicht passierbar. Für Einfluglöcher gibt es zusätzlich Marderschutzvorrichtungen.

Ich habe Fledermäuse im Dach — was jetzt?

Fledermäuse sind streng geschützt, alle Arten. Vor der Sanierung führt der Weg über die Untere Naturschutzbehörde, die den Zeitpunkt und die Ersatzmaßnahmen festlegt. Eigenmächtiges Verschließen ist auch im Winter keine Option, weil dort Winterquartiere liegen können.

Muss ich das dem Dachdecker sagen?

Ja, und zwar vor der Angebotsphase. Artenschutz ist keine Selbstverständlichkeit im Handwerk und wird nur ausgeführt, wenn er ausgeschrieben ist. Nachträglich wird es teurer.

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