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Artenschutz am Bau — Quartiere statt Verluste

Jede Dachsanierung und jede Fassadendämmung verschließt Spalten, in denen Mauersegler, Spatzen oder Fledermäuse gebrütet haben. Das ist nicht nur ein Verlust für die Tiere, sondern rechtlich relevant: Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Arten sind nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt, auch wenn sie im Winter leer stehen. Ersatzquartiere lassen sich in fast jede Konstruktion integrieren — wenn man sie einplant.

Putzfassade unter der Dachtraufe mit flächengleich integrierter Nistöffnung

Die Fassade entscheidet, welches System passt

Bei integrierten Nisthilfen gibt es drei technische Gruppen. Welche in Frage kommt, hängt nicht vom Tier ab, sondern vom Wandaufbau — das ist die wichtigste Entscheidung vor jeder Produktauswahl.

GruppePasst zuPrinzip
Holzbeton-EinbausteinPutzfassade, WDVS, Altbau zum ÜbermauernWird eingemauert oder in die Dämmung eingeklebt, anschließend überputzt — von außen unsichtbar
Nistklinker / NistziegelKlinker- und Sichtmauerwerk, ZiegeldachSonderformstein im Verband, farblich passend — praktisch nicht erkennbar
WDVS-SystemkastenWärmedämmverbundsystemeVom Dämmsystemhersteller freigegeben, dadurch keine Diskussion über Wärmebrücken
Der häufigste Fehler beim Einkauf: Viele Hersteller führen dasselbe Modell als Einbau- und als Aufbauvariante. Wer die Aufbauversion bestellt, kann sie nicht einmauern. Achten Sie gezielt auf die Bezeichnung „Einbau", „Teileinbau" oder „Sonderformziegel".

Nach Einbauort sortiert

Wer am Gebäude wohnt

ArtNistort am GebäudeBrutzeitKonflikt mit
MauerseglerDachtraufe, Mauerspalten, RollladenkästenMai–AugustDachsanierung, Dämmung, Abriss
HaussperlingUnter Dachziegeln, Hohlblocksteine, FassadenspaltenMärz–AugustDachsanierung, Traufendichtung
MehlschwalbeAußenwand unter DachvorsprungApril–SeptemberFassadensanierung, Neuputz
RauchschwalbeInnen: Ställe, Scheunen, GaragenApril–SeptemberSchließen von Zugängen, Umnutzung
HausrotschwanzDachnischen, Mauervorsprünge, CarportsApril–AugustUmbau, Abbruch von Nebengebäuden
FledermäuseSpalten hinter Verkleidungen, DachbödenWochenstuben Mai–Augustjede Hüllsanierung

Der richtige Zeitpunkt

1

Vor der Planung prüfen

Gebäude auf Niststätten untersuchen — am aussagekräftigsten während der Brutzeit, wenn die Tiere anwesend sind. Anzeichen sind Kotspuren, Nistmaterial an Traufkanten und regelmäßig anfliegende Vögel.

2

Bauzeit außerhalb der Brutzeit

Arbeiten an Dach und Fassade möglichst zwischen Oktober und Februar ausführen. Wichtig: Auch dann bleibt die Niststätte selbst geschützt — sie darf nicht ersatzlos verschwinden.

3

Bei Fund die Behörde einbeziehen

Werden besetzte oder regelmäßig genutzte Niststätten gefunden, ist die Untere Naturschutzbehörde vor Baubeginn einzuschalten. Sie legt fest, welcher Ersatz in welchem Umfang nötig ist.

4

Ersatz gleich mit einplanen

Einbausteine gehören in die Ausführungsplanung, nicht ans Ende der Baustelle. Nachträglich in eine fertige Dämmfassade zu schneiden ist teuer und selten schön.

Förderung prüfen: Viele Kommunen fördern Nisthilfen und Gebäudebegrünung. Welche Programme an Ihrem Standort gelten, zeigt unser Artenschutz-Atlas — kommunengenau für alle 10.953 Gemeinden in Deutschland, mit Quellen und Behörden-Kontakten.

Häufige Fragen zum Artenschutz am Bau

Darf ich im Winter sanieren, wenn die Nester leer sind?

Die Bauzeit außerhalb der Brutzeit ist richtig und wichtig — aber sie ersetzt den Schutz der Niststätte nicht. Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Arten bleiben auch unbesetzt geschützt, weil viele Arten jahrelang zum selben Nistplatz zurückkehren. Wer sie verschließt, muss Ersatz schaffen.

Wie erkenne ich, ob an meinem Haus Tiere brüten?

An Kotspuren unter Traufkanten und Nischen, an Nistmaterial in Spalten, an kreisenden Schwärmen im Mai und Juni. Fledermäuse hinterlassen krümeligen Kot unter dem Einflugspalt. Im Zweifel lohnt eine Begehung mit einem Artenschutzgutachter — vor der Ausschreibung, nicht danach.

Entstehen durch Einbausteine Wärmebrücken?

Bei fachgerechtem Einbau nicht relevant. Die Systemkästen der Dämmstoffhersteller sind für ihr jeweiliges WDVS freigegeben, Nistklinker werden dämmneutral ins Vormauerwerk integriert. Bei WDVS-Kästen ist meist eine Mindest-Dämmstoffdicke vorgegeben.

Sieht man die Nisthilfen später?

Kaum. Holzbeton-Einbausteine werden überputzt und lassen sich mit atmungsaktiver Fassadenfarbe im Fassadenton streichen. Nistklinker und Nist-Dachziegel sind Sonderformsteine im Verband — sichtbar bleibt nur die Einflugöffnung.

Wo müssen die Quartiere hängen?

Das hängt von der Art ab. Mauersegler brauchen freien Anflug in mindestens sechs bis sieben Metern Höhe, direkt unter der Dachkante und ohne Vorsprünge darunter. Halbhöhlenbrüter kommen mit geringeren Höhen aus. Als Ausrichtung gilt Ost bis Südost — die volle Südseite wird im Sommer zu heiß.

Was kostet das?

Einzelne Einbausteine liegen meist im zweistelligen Bereich, Koloniekästen für mehrere Brutpaare darüber. Gemessen an den Kosten einer Dachsanierung ist es ein Randposten — und deutlich günstiger als ein Baustopp, weil der Artenschutz übersehen wurde.

Das Produktsortiment in diesem Bereich wird aufgebaut. Die Übersichten zu Systemgruppen, Arten und Bauzeiten stehen bereits — Produktlistungen folgen. Für konkrete Projektfragen erreichen Sie uns über die Beratungsanfrage.

Quellen: Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) §44, Herstellerangaben zu integrierten Nisthilfen, Artensteckbriefe des Artenschutz-Atlas. Rechtliche Angaben sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine Prüfung des Einzelfalls durch die zuständige Naturschutzbehörde.

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